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Wir brauchen mehr Echtheit und Nahbarkeit in weiblichen Vorbildern! - Interview mit Anna-Carina Häusler zum Weltfrauentag

Generelle Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen waren die elementare Ziele, als der Weltfrauentag Anfang des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen wurde. Mehr als 100 Jahre später haben sich die Herausforderungen für Frauen massiv geändert. Trotzdem gilt vor allem der Tech-Bereich immer noch als männerdominiert. Wir haben eine unserer “Women in Tech” nach ihren Erfahrungen zum Thema, Frau sein in einer hart umkämpften Branche gefragt.

Anna-Carina Häusler ist seit kurzem Director des Marketplace Teams bei Syncier. Vorher war sie dort als Head of Product and Business tätig. Nach ihrem Studium in Vertrieb und Logistik an der Hochschule Heilbronn, führte sie ihr Drang nach Modernität von Modern Payment Business, über die Tech-Beratung, bis zu Syncier. Digitalisierung ist dabei der Dreh- und Angelpunkt ihrer Geschichte.

Anna-Carina, herzlichen Glückwunsch nochmal zur Beförderung! Was verbirgt sich genau hinter Deinem Job und mit was beschäftigt sich der Marktplatz?

Der Syncier Marktplatz ist, wie der Name schon sagt, ein B2B API Marktplatz für die Versicherungsindustrie. Mit dem Marketplace versuchen wir, das Thema Open Platform Economy und Diversität der Partnerschaften in der Versicherungsindustrie aktiv mitzugestalten. Alle reden darüber, wir machen es!

Als Director bin ich für über 40 Kolleg*innen verantwortlich, die verschiedene Produkte entwickeln (übrigens 80% davon männlich und älter als ich). Daher ist es meine Aufgabe, bis zu einem gewissen Grad alle Disziplinen abzudecken: von Finance, über Business Development und Sales bis zu HR und Marketing.

Was hat Dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

In der Tat gab es für mich ein einschneidendes Erlebnis. Ein ehemaliger Vorgesetzter platzierte sein Smartphone auf einem Konferenztisch, sah mich an und meinte “Damit wirst du bald alle finanziellen Transaktionen durchführen.”. Das war 2013 und für mich damals eine utopische Vorstellung. Doch mein Interesse war sofort geweckt. Ich merkte, dass mich die Tech-Idee mit ihren Visionen, Ideen und der Geschwindigkeit mehr begeistert, als physische Güter. Schnell realisierte ich, was Tech eigentlich für unsere Welt und unser tägliches Leben bedeutet und wie ausbaufähig dieser Sektor in Deutschland ist. Seit diesem Erlebnis werde ich davon angetrieben, Neuerungen zu realisieren, die sich bis dato noch niemand vorstellen kann.

Gab es für Dich weitere einschneidende oder prägende Erlebnisse? Wie bist Du damit umgegangen?

Eine junge Frau zu sein erwies sich mehr als einmal als Barriere und Herausforderung. Ich kann mich an ein Erlebnis im internationalen Kontext erinnern. Ich war als Team Lead bei einem Kunden eingeladen. Es handelte sich um ein initiales Kennenlernen, doch die Herren teilten mir zuerst ihre Kaffee Vorlieben mit. Auch nach Aufklärung darüber, dass dies nicht in meinen Zuständigkeitsbereich fällt, hatte ich das Gefühl, aufgrund meines Alters und meiner Weiblichkeit weniger Ernst genommen zu werden. 

Solche Situationen lehrten mich, in letzter Instanz immer auf mich selbst zu setzen. Realität treibt mich an. Ich möchte in realen Teams arbeiten, die für reale Kunden reale Produkte bauen. Dieser ergebnisorientierte Ansatz lässt mich viele Herausforderungen meistern und hilft mir, mit schwierigen Situationen souverän umzugehen. 

Wer sind deine Vorbilder und/oder Unterstützer?

Vor allem - ganz klassisch - meine Mama. Sie hat mir beigebracht, offen und selbstbewusst durchs Leben zu gehen und aus jeder Art von Lebensstil einen Mehrwert zu ziehen.

Ansonsten finde ich das Thema Karriere-Vorbilder eher schwierig. Von vielen Frauen werden Stereotypen bedient. Die knallharte Geschäftsfrau oder diejenige, welche einfach alles unter einen Hut zu bringen scheint. Dieses Bild der Karrierefrau finde ich überholt. Wer soll sich mit goldenen Pokalen identifizieren? Wir brauchen mehr Echtheit und Nahbarkeit in weiblichen Vorbildern! Ein echtes Vorbild muss nicht immer alles alleine schaffen und auch keine übermäßige Härte nach außen tragen. Utopia mach Vorbilder zu Nicht-Vorbildern für mich.

Wieso sind, Deiner Meinung nach, nicht mehr Frauen in der Tech-Industrie? Wie könnte man diese Hürden überwinden?

Für mich sind zwei Aspekte entscheidend: Bildung und der Umgang miteinander.

Die Tech-Branche ist geprägt von Quereinstiegen. Meiner Erfahrung nach zeigen Männer auf dem Terrain, sich Neues zuzutrauen, mehr Selbstbewusstsein. Frauen tendieren hingegen dazu, sich nur auf Stellen zu bewerben, die 100% zu ihrem Profil passen. Bildung hat an dieser Stelle den Auftrag, Menschen den Blick zu öffnen und Eindimensionalität zu vermeiden. Gleichzeitig muss die Ansprache der Firmen an potenzielle Bewerber*innen offener gestaltet werden. Durch mehr Transparenz wird Raum für Menschen geschaffen, die nicht aus diesem speziellen Bereich kommen.

Weiterhin ist meiner Meinung nach mehr Engagement von “Women in Tech” gefragt. Es kommt mir vor, als würden Frauen an anderen Frauen sogar einen höheren Maßstab anlegen. Wohingegen wir doch gegenseitige Unterstützung brauchen. Nur weil der Weg eines Menschen steinig war, sollte dieses Schema nicht auf andere Menschen übertragen werden. Feuer mit Feuer zu bekämpfen, macht keinen Sinn. Wir müssen aktiv füreinander einstehen.

Wie wichtig findest Du den Weltfrauentag? 

Ich finde den Weltfrauentag sehr wichtig. Fairness und Chancengleichheit sind für mich elementar. Am Weltfrauentag bekommen diese Themen eine Stimme. Das gibt uns die Möglichkeit, gebündelt mehr Kraft in unsere Aussagen zu legen und uns gegenseitig zu unterstützen. Gerade mit der besonderen Rolle der Frau im Reproduktionsprozess (man kann das Kind ruhig beim Namen nennen) sind Forderungen nach einer flexiblen Arbeitswelt in diesem Kontext extrem wichtig. Wir haben noch viel vor uns, die Weiterentwicklung der Gleichberechtigung darf nicht stagnieren! 

Welche Botschaft hast Du für junge Frauen und Mädchen, die sich für die IT-Branch interessieren?

Traut Euch! IT und Tech spielen eine wichtige Rolle in unserer Welt. Ihr habt es in der Hand, Teil davon zu werden und erfolgreich zu sein. Keine andere Branche funktioniert so sehr über Diversität und Cross-Funktionalität. Hier müssen Frauen hin! Vernetzt Euch mit Frauen, die bereits Erfahrung in dem Bereich haben, schreibt mutige Bewerbungen und macht Euch die Community zu Nutzen. Wer Tech versteht, versteht die Zukunft! 

 

Das Gespräch führte Victoria Durner.


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